Zimmermann: ein zu allen Zeiten gefragter Beruf

Holzhandwerk

Zimmerleute zählten in Litauen schon seit alters her zu den ziehenden Handwerkern, die verschiedene Gebäude bauten, meistens die Wohnhäuser. Heutzutage ist das Spektrum der Arbeiten des Zimmermanns sehr breit.

Von Fenstern bis zu Schiffen

Die Arbeit des Zimmermanns dreht sich um die mechanische Bearbeitung von Holz. Dabei handelt es sich um einen der gefragtesten Berufe in der holzverarbeitenden Industrie, auf dem Bau und in Haushalten. Durch den Zimmermann wird Holz zu baulichen Konstruktionen beim Bau oder im Haushalt.

Der Begriff dailidė (Zimmermann) hatte aufgrund der Dominanz von Holz als Baumaterial die allgemeinere Bedeutung als Bauarbeiter schlechthin, in dieser Bedeutung wurde das Wort auch in einige slawische Sprachen entlehnt. Der Zimmermann musste die Eigenschaften des Holzes kennen, dieses vorbereiten können und den Bau von Grund auf beginnen können. Er war zugleich Konstrukteur und Bauausführender.

Die Arbeit des Zimmermanns umfasst aber weit mehr als nur den Bau. In bestimmten Fällen kann es zu bestimmten Spezialisierungen kommen, etwa beim Bau von Einschalungen und Stützen, dem Bau von Zwischendecken, oder dem Errichten von Dachstühlen, Bau und Montage von Türen und Fenstern, Herstellung bestimmter Möbel oder Arbeiten beim Schiffsbau.

Qualifizierte Meister gab es schon in der Vergangenheit

Der Beruf des Zimmermanns entwickelte sich zusammen mit den Werkzeugen, die der Mensch teilweise schon vor Jahrtausenden anfertigen konnte. Die alten Griechen und andere antike Kulturen hatten schon qualifizierte Meister dieses Handwerks, wovon die erhalten archäologischen Wunder, prächtige Tempel und andere Bauwerke, Zeugnis ablegen.

Fast alle Zimmerleute erlernten das Handwerk von ihrem Vater, indem sie diesem schon früh bei der Arbeit halfen. Andere waren Lehrlinge bei fremden Meistern, wo sie zu Beginn meist ohne Lohn arbeiteten. Die Werkzeuge fertigten sie sich oft selbst an, wobei die Metallteile vom Dorfschmied stammten oder auch gekauft wurden.

In Žemaitija nannte man den Zimmermann schlicht Meister, in Suvalkija Hauer, da die Arbeit mit der Axt zum Herausbilden der Fugen und Verblattungen einen großen Teil der Arbeit einnahm. Im Auftrag des Familienoberhaupts baute der Zimmermann das Wohnhaus. Bis zur ersten Hälfte des 20. Jh. wurden die Wände der Blockhäuser vom Zimmermann gebaut und der Dachstuhl errichtet, Fußboden und Deckenbalken gehörten ebenso dazu. Als im 20. Jh. die Satteldächer aufkamen, kam noch die Verkleidung der Dachgiebel mit Brettern hinzu. In Žemaitija fertigten die Bauern oft schon im Voraus Türen und Fenster an, so dass diese beim Bau des Hauses gleich vom Zimmermann mit eingebaut werden konnten. Während des Baus wohnte der Meister mit seinen Gehilfen mit auf dem Hof, wo sie auch mit verpflegt wurden, wobei der Meister oft besser und getrennt von seinen Gehilfen verpflegt wurde. Nach dem Errichten des Dachstuhls wurde der Richtkranz gehisst und Richtfest gefeiert, mit festlichen Speisen und Schnaps. Mit dem Entstehen der landwirtschaftlichen Genossenschaften wurden diese Handwerke in deren Baubrigaden integriert und später direkt in Bauunternehmen.

Der Zimmermannsmeister hatte Lehrlinge und Gesellen, die bei der Arbeit halfen, die er bei den Arbeiten, einschließlich der Vermessung und der Errichtung des Fundaments, anwies.

Immer noch ein beliebter Beruf

Den Beruf des Zimmermanns kann man in Litauen in Berufsschulen erlernen. Ein großer Teil der Ausbildung besteht aus praktischem Lernen.

Heutzutage ist der Zimmermann mit verschiedenen Arbeiten befasst. Einige beschäftigen sich mit Kleinteilen wie Bienenstöcken, Brutkästen, Küchenzubehör, Bilderrahmen, Holzdruck oder gar Faschingsmasken. Es gibt aber auch Handwerker, die traditionelle Häuser, Saunas, Ställe, Scheunen, Speicher und Zäune bauen. Derzeit gibt es in Litauen 38 zertifizierte Zimmerleute.

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