Spielzeugherstellung: zum Spielen, Lernen und Erziehen

Holzhandwerk

Spielzeug stellten Vertreter verschiedener Handwerke her: Töpfer, Schneider, Tischler oder Zimmerleute. Das Handwerk eines Spielzeugmachers, das alle diese Fertigungstechnologien umfasste, gab es nicht. Spielzeug wurde meist von den Kindern selbst oder deren Eltern gebaut.

Vom Kreisel zum Kaleidoskop

Die frühesten Spielzeuge werden auf das 4. Jahrtausend vor Chr. datiert. Dabei ging es nicht nur um die Befriedigung des Spieltriebs der Kinder. Von alters her wurden Figuren von Mensch und Tier angefertigt, weil man an deren magische Kraft glaubte. Manche wurden als Amulette um den Hals getragen, andere kamen zum Schmuck des Wohnraums oder bei religiösen Zeremonien zur Verwendung. Erst viel später, als diese religiöse Rolle der Figuren verlorenging, erlebten sie eine Renaissance als Spielzeug für Kinder.

Nach Angaben aus der Literatur stammen die ältesten erhaltenen Spielzeuge aus Ägypten und werden auf das 3-5 Jahrtausend vor Chr. datiert. Dabei handelt es sich um Puppen aus Holz, Lehm und Stoffen, um stilisierte Figuren von Tieren usw. Im alten Griechenland und Rom wurde Spielzeug meist aus Knochen, Terrakotta, Holz und Bernstein angefertigt. Aus dieser Region sind viele Spielzeuge bis heute erhalten, darunter verschiedene Puppen (mit beweglichen Armen und Beinen), Wurfgeräte, Krieger, Kreisel, Steckenpferde, Gefäße und Wagen in Miniaturgröße.

Im Mittelalter waren es meist die Tischler, die auch Spielzeug herstellten. Besonders beliebt waren Kreisel und Klappern. Im 17. Jh. begann man mit der Anfertigung von Puzzles und Schaukelpferden. Später wurden kompliziertere Spielzeuge angefertigt, Kaleidoskope, Puppenstuben mit Puppen aus Holz oder Porzellan.

Zum trainieren von Fertigkeiten

Spielzeug half den Kindern beim Erkennen der Umwelt, beim überlegten und selbständigen Handeln. Zu den ältesten Spielzeugen in Litauen dürften solche aus Keramik gehört haben. Das waren Pferde, Reiter, Enten, Schafe, Hähne, Kiebitze, Ziegen, Pfeifen, Flöten und seltener auch Puppen. Zu den archäologischen Funden gehören auch kleine Kinderpfeile, Lanzenspitzen, Äxte und andere Waffen und Werkzeug, die auf die Bronzezeit zurückgehen. Deren Entstehung fällt mit dem Beginn der menschlichen Zivilisation zusammen. Die Hersteller von Keramikspielzeug waren oft alternde Töpfer, deren Familienmitglieder oder Kinder und Hirtenjungen.

Erzeugnisse aus Knochen, Horn und Geweih sind in Litauen schon aus der Altsteinzeit bekannt. Ein altertümliches Musikinstrument in Litauen ist das Horn, das aus einem gebogenen oder langen Ziegenhorn angefertigt ist. Pfeifen aus Knochen von Vögeln oder Tieren wurden schon in der Altsteinzeit hergestellt ebenso später, in der Jungsteinzeit und der Bronzezeit. Längsflöten wurden auch sehr früh aus hohlen Pflanzenstängeln angefertigt, aus Stroh, Federkielen oder Baumrinde. Ein besseres musikalisches Spielzeug wurde aus Knochen mit Löchern hergestellt, durch die eine Schnur gefädelt wurde. Beim Drehen entstand ein spezifisches Geräusch, weswegen man dies als „Wölflein“ oder „Schnarre“ bezeichnete. Vermutlich wurde Spielzeug auch aus Holz angefertigt, nur ist dieses nicht erhalten.

Spielzeug aus Stroh hatte eine doppelte Funktion, damit wurden die Kinder beschäftigt und zugleich das Haus geschmückt. Für die Kleinsten hing oft ein Vogel aus Stroh, Schilf oder Hölzchen über der Wiege. Das waren leichte und kleine Figuren mit prächtigen Flügeln und Schwänzen. Aus Stroh wurde auch Spielzeug für den Weihnachtsbaum angefertigt.

In Litauen waren Puppen ein häufiges Spielzeug der Mädchen. Diese wurden zumeist von Kindern selbst, den Müttern oder Großmüttern angefertigt. Für die Puppen wurde sehr vielfältiges Material verwendet (Holz, Rinde, Ton Stroh, Gras, Gemüse), wobei aber am meisten die aus Stoffen geschätzt waren, für die neben Stoffresten, Holzspäne, Werg und Wollfäden verwendet wurden.

Kinder konnten nach ihren Fähigkeiten auch schon Arbeiten der Erwachsenen erledigen, mit Werkzeug und Geräten, die speziell an ihre Größe angepasst waren. Das waren Holzäxte, kleine Rechen, Saatkörbe, Eggen. Alle diese Werkzeuge wurden auch beim Spielen benutzt.

Ab dem 19. Jh. wird Spielzeug in Fabriken hergestellt, während auf dem Lande weiterhin zu Hause hergestelltes Spielzeug überwog. Erst später fertigten Tischler und Schnitzler vollkommeneres, schöneres Spielzeug an.

Lebendiges Handwerk

In unserer heutigen Zeit gibt es viel mehr Spielzeug als jemals vorher. Für Kinder gibt es ein riesiges Angebot an in Massenproduktion hergestelltem Spielzeug, wobei die Nachfrage nach einfachem, zu Hause hergestelltem Spielzeug, solchem wie es früher verwendet wurde, nicht erloschen ist. Deswegen ist dieses Handwerk noch lebendig. Derzeit gibt es in Litauen 38 zertifizierte Handwerker, die Spielzeug aus Holz, Ton, Stoffen oder Stroh herstellen.

Financed by the European Regional Development Fund