Schneiderhandwerk: der Wunsch, interessanter und einzigartiger zu erscheinen

Handwerk der Textilverarbeitung

Das Schneiderhandwerk war immer eines der gefragtesten Handwerke. Einst war das das wichtigste Handwerk zum Bekleiden der Menschen und besonders ein Handwerk, das reiche und wichtige Leute standesgemäß einkleidete und schmückte.

Von der Knochennadel bis zur Nähmaschine

Niemand weiß, ab wann man die Existenz des Schneiderhandwerks rechnen kann, doch meint man, dass das über 20.000 Jahre zurückliegt. Zunächst verwendete man zum Nähen Sehnen von Tieren und Nadeln aus Knochen.

Später wurden Nähnadeln aus Kupfer, Bronze oder Silber angefertigt, diese waren aber noch ziemlich dick und schwer und für grobe Textilien oder Leder geeignet. Wirklich dünne und feste Stahlnadeln übernahmen die Europäer im 11. Jh. von den Arabern, die zu dieser Zeit große Teile Spaniens beherrschten. Die arabischen Meister hatten die Metallverarbeitung erheblich weiterentwickelt und die berühmten Schmieden in Damaskus und Toledo exportierten hochwertige Schmiedewaren nach Europa.

Allmählich wurde das Schneiderhandwerk vervollkommnet. Im 12. Jahrhundert wurde in Holland der Fingerhut erfunden. Das erlaubte das Nähen komplizierterer Kleidung. Die Erfindung der Schere im 14. Jh. war noch ein großer Schritt auf diesem Gebiet. Und die ab Mitte des 18. Jh. einsetzende Geschichte der Nähmaschine veränderte das Handwerk von Grund auf.

Schneiderandwerk in Litauen

Schon im Großfürstentum Litauen waren Schneider gut bekannte Handwerker. Oft wurden sie auch mit dem aus dem Polnischen krawiec entlehnten Begriff kriaučius bezeichnet. Selbst in den Häusern der Bauern waren Schneider häufige Gäste. Er kam alljährlich hierher und in größeren Höfen verbrachte er wohl auch mehrere Wochen bis die ganze Familie mit Kleidung versorgt war. Oft wurde der Schneider im Winter herbei gebeten, wenn mehr frei Zeit war. In Bezug auf Wollkleidung hielt man Neumond für einen guten Termin (damit diese nicht von Motten zerfressen werden). Hochzeitskleidung indessen sollte bei Sonnenschein genäht werden, damit die Zukunft hell und freundlich sei.

Das Schneiderhandwerk war eines der verbreitetsten Handwerk in der Zwischenkriegszeit in Litauen. In dieser Zeit wurden kaum fertig konfektionierte Kleidung verkauft, höchsten Halbzeuge die zugeschnitten waren. Deswegen brauchtet jedes Dorf einen Schneider und in Städten gab es ganze Schneiderwerkstätten. Mit Kleidung und Textilien ging man sorgfältig um, denn es war schwer neuen Stoff zu erhalten.

Qualität und Einzigartigkeit

Der Schneider wählt das Material nach Einschätzung der Wünsche sorgfältig aus. Bei der Wahl des Fadens kommt es auf Farbe, Stärke und Funktion an. Mancher Zwirn dient eher dem Dekor, andere für leichtes Nähen und wieder andere für besonders haltbare Nähte.

Für viele ist das Nähen eine interessante und kreative Beschäftigung. Denn immer beliebter werden Kleidungsstücke, die individuell angefertigt oder abgeändert wurden, damit sie einzigartiger und interessanter sind. Das Schneiderzubehör ist heutzutage ungeahnt vielfältig und auch an Literatur zum Nähen und Schneidern und den vielfältigen Techniken hierbei mangelt es nicht.

In den Regalen der Läden kann man verschiedenste Kleidung nach Stil, Muster und Material kaufen. Die schnelle Mode, die es ermöglicht, oft und preiswert den eigenen Stil zu wechseln ist ein Kennzeichen unserer Zeit. Echte Qualität und Einzigartigkeit bieten aber nach wie vor nur Schneider.

In Litauen gibt es derzeit 15 zertifizierte Schneider. Mit der zunehmenden Beliebtheit von handwerklichen Kursen kann man viele Angeboten finden, die mit dem Schneiderhandwerk bekannt machen. Hier geht es um elementare Grundlagen des Schneiderhandwerks, wie man ein einfaches Kleidungsstück oder ein anders Erzeugnis näht.

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