Böttcherhandwerk: für Getreide, Bier und zum Baden

Holzhandwerk

Wissen Sie was ein Scheffel ist? Das heute kaum noch bekannte Wort war früher ein alltägliches Wort.

Tausendjährige Traditionen

Die Traditionen des Böttcherhandwerks umfassen Jahrtausende der Menschheitsgeschichte. Man ist der Auffassung, das die ältesten Fässer von den Galliern gefertigt wurden und dass die Römer diese Kunst von jenen übernahmen.

In Fässern wurden sowohl Flüssigkeiten als auch Schüttgut aufbewahrt. Am meisten Verwendung fanden Fässer aber wohl für Wein und andere alkoholische Getränke, zur Aufbewahrung und zum Transport.

Böttcher in Litauen

Man kann sagen, dass das Böttcherhandwerk in Litauen mit dem Beginn der Holzbearbeitung noch im Mittelalter begann. Lange Zeit konnte sich jede Stadt und sogar jedes Städtchen solcher Handwerker rühmen. Sie gehörten zum Alltag dazu, wie auch Bäcker und Schuster.

In ihren Werkstätten fertigten sie Gefäße für Lebensmittel und Getränke, Fässer und Kübel zum Baden.

Die Böttcher gehörten in den großen Städten vom 16. bis 19. Jahrhundert zumeist zu den Zechen der Zimmerleute. Ab Mitte des 20. Jh. fanden in den Haushalten Gefäße aus Metall und Kunststoff Verwendung und das Böttcherhandwerk wurde obsolet, nur vereinzelte Dorfbewohner und Kunsthandwerker beschäftigen sich damit.

Die Arbeit kann länger als ein Jahr dauern

Zur Herstellung traditioneller Fässer war die Auswahl des Materials und dessen allmähliche Trocknung von großer Bedeutung. Nur hochwertige, mindestens 200 Jahre alte schwarze oder graue Eiche aus dem Wald ist geeignet. Um ein Fass herzustellen braucht man 1,5 bis 2 Jahre, wobei allerdings mehrere gleichzeitig hergestellt werden. Die fertige Form der Dauben wurde noch einige Zeit ohne eingesetzten Boden gelagert.

Die ältesten Kübel wurden aus ausgehöhlten Bäumen angefertigt, erst später ging man zur Fertigung aus Dauben über. Fässer hatten etwa eine Höhe von 0,7–1,3 Metern bei einem Volumen von 50–200 Litern. Die Kübel wurden von Reifen aus Holz oder von Metallbändern zusammengehalten, sie verfügten über Deckel als Stroh oder Bast, oder aus Brettern. Früher wurden bei der Herstellung größerer Fässer Kalmusblätter zur Abdichtung zwischen die Dauben gelegt. Kleinere Kübel aus hohlen Bäumen oder aus Dauben wurden von den Bauern auch selbst hergestellt.

Diverses Haushaltszubehör fertigten die Böttcher auch aus Fichte, Kiefer und Zitterpappel. Für Gefäße wurde auch Rinde von Birke und Linde verwendet. Die Scheffel wurden meistens aus Eiche angefertigt, diese nutze man als Hohlraummaß für Getreide, Mehl und Futter.

Geheimnisse von Generation zu Generation weitergegeben

Die Berufsgeheimnisse wurden meistens vom Vater auf den Sohn vererbt. Zwar konnte man das Handwerk auch bei anderen Meistern erlernen, aber meistens wurde das Handwerk in der Familie weitervererbt. Böttcher hatten ein breites Sortiment von Waren, darunter Henkelkrüge, Brotkübel, Aussteuerkübel, Zuber, Fässer, Eimer, Melkkübel, Butterfässer, Körbe, Kellen, Löffel und Tröge.

Dieser Handwerkszweig lebt heute immer noch. In Litauen gibt es 15 zertifizierte Böttchermeister.

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