Die Kurische Nehrung: Eine einzigartige Halbinsel aus Sanddünen

Die Kurische Nehrung ist eine einzigartige gemeinsame Kreation von Natur und Mensch. Die 98 km lange und 0,4-4 km breite Sanddünenhalbinsel trennt das Kurische Haff von der Ostsee.

Teil des Welterbes

Die Kurische Nehrung (engl. Curonian Spit) wurde im Dezember 2000 unter Berufung auf Kriterium (v) zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Es besagt, dass die Kurische Nehrung ein außergewöhnliches Beispiel für eine Sanddünenlandschaft ist, deren Überleben ständig durch natürliche Elemente (Wind und Gezeiten) bedroht wird. Nach dem verheerenden Eingriff des Menschen, der die Nehrung beinahe vernichtet hätte, wurde sie durch großangelegte Sicherungs- und Befestigungsarbeiten, die im 19. Jh. begannen und bis heute andauern, restauriert.

Harmonisches Zusammenspiel von Mensch und Natur

Die Landschaft der Kurischen Nehrung ist geprägt vom harmonischen Zusammenspiel von Mensch und Natur. Die kulturelle Atmosphäre und Einzigartigkeit der Landschaft der Kurischen Nehrung wird nicht nur von ihrer natürlichen Schönheit, sondern auch von ihrem authentischen immateriellen Erbe bestimmt. Dazu gehören traditionelles Handwerk, regionale Folklore, künstlerische Traditionen und das maritime kulturelle Erbe sowie die ethnografische Lebensweise der Fischer, die für die Entwicklung des Gebiets wichtig sind. Für das immaterielle Erbe der Kurischen Nehrung sind auch die Traditionen der Freizeitgestaltung und der kulturellen Erholung von Bedeutung, die im 19. Jh. ihren Anfang nahmen.

Die Kurische Nehrung ist ein herausragendes Beispiel für das Zusammenleben von Mensch und Natur, das die Fähigkeit des Menschen veranschaulicht, sich an die Natur anzupassen, ohne sie zu beeinträchtigen.

Wendungen der Geschichte: ständig wechselnde Herrscher

Bereits in prähistorischer Zeit ließen sich Menschen auf der Kurischen Nehrung nieder. Wissenschaftler sagen, dass die Kurische Nehrung vor mehr als 5000 Jahren von den Wellen und Winden der Ostsee geformt wurde. Zunächst bildete sich entlang der Semba-Halbinsel (Samland) ein schmaler Streifen aus Meersand, der sich allmählich ausdehnte. Schließlich trugen die Wellen und Strömungen des Meeres immer mehr Sand heran, der Streifen wurde breiter und trennte schließlich das Haff vom Meer.

Der Stolz der Kurischen Nehrung – die Sanddünen – entstand durch den Wind, der den ausgetrockneten Sand verwehte. Die vom Wind getriebenen Dünen bewegten sich zum Haff und machten die Küste zu Land.

Durch die Sandablagerungen im Haff verbreiterte sich die Nehrung und verlagerte sich von Westen nach Osten. Diese Bewegung stoppte, als hier in der Steinzeit Wälder zu wachsen begannen. Es wird vermutet, dass sich zu dieser Zeit auch die ersten Menschen auf der Kurischen Nehrung niederließen.

Der Ursprung des Namens der Nehrung wird mit den Kuren in Verbindung gebracht, einem Stamm der Westbalten, die an der Küste des heutigen Lettlands und Nordlitauens lebten.

Die Urbanisierung der Kurischen Nehrung begann im 13. Jh., als das Gebiet vom Deutschen Orden erobert wurde. Später ging die Nehrung an das Herzogtum Preußen, und ab 1871 fiel sie in die Hände Deutschlands. Dank des entscheidenden Aufstands von Klaipėda im Jahr 1923 wurde der nördliche Teil der Kurischen Nehrung an Litauen angeschlossen.

Litauen konnte sich jedoch nicht lange darüber freuen, denn nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs fielen die Kurische Nehrung und das Memelland (die Region Klaipėda) erneut an Deutschland. Nach der Niederlage von Nazideutschland wurde der nördliche Teil der Kurischen Nehrung an die Litauische SSR und der südliche Teil an das Kaliningrader Gebiet Russlands angeschlossen.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Litauens wurde der nördliche Bereich der Kurischen Nehrung erneut Teil der Republik Litauen.

Integrität und Authentizität

Das Zusammenspiel von Mensch und Natur hat die authentische Kulturlandschaft der Kurischen Nehrung mit den wertvollste Elementen und Merkmalen geschaffen:

  • Eine Kulturlandschaft, die das harmonische Zusammenleben von Natur und Mensch widerspiegelt, sowie spektakuläre Ausblicke auf das Kurische Haff und die Ostsee;
  • Kulturelle Elemente: die historische Poststraße, alte traditionelle Fischerdörfer, Kurortsiedlungen, Gebäude professioneller Architektur (Leuchttürme, Jachthäfen, Kirchen, Schulen, Villen);
  • Maritimes Erbe, Natur und vom Menschen geschaffene Elemente: der große Dünenkamm, die Dünen, die von Menschen angelegten Schutzdünen, Küsten- und Haffwälder, Halbinseln des Haffs (Hörner), Sandflora und -fauna, einschließlich der Wege der Zugvögel.

Nicht nur Naturkatastrophen sind gefährlich

Das Überleben der Kurischen Nehrung wird nicht nur durch Naturereignisse, sondern auch durch menschliche Aktivitäten ständig bedroht. Das Gebiet ist besonders anfällig für die Gefahr durch den Klimawandel. Ungünstige Klimaveränderungen, durch unverantwortlich handelnde Menschen und Hitze verursachte Brände, intensive Entwicklung und Tourismus sind nur einige der Gefahren.

Um die besondere Schönheit und die natürlichen und kulturellen Besonderheiten der Kurischen Nehrung zu bewahren, wird das Gebiet sorgfältig geschützt. Die Kurische Nehrung liegt in beiden Ländern in Nationalparks, und ihr Status ermöglicht es den Schutz des Gebiets zu gewährleisten. Beide Staaten, zu denen die Kurische Nehrung gehört*, sind für die Erhaltung der Kurischen Nehrung verantwortlich.

* In der Republik Litauen ist jede Tätigkeit, die den globalen Wert der Kurischen Nehrung gefährdet oder schädigt, laut dem Gesetz über Schutzgebiete und der Verordnung zum Schutz des Nationalparks der Kurischen Nehrung untersagt. In der Russischen Föderation gelten entsprechende Gesetze für Naturschutzgebiete. In der Republik Litauen ist das Umweltministerium für die Schutzfunktion zuständig, in der Russischen Föderation ist es das Ministerium für natürliche Ressourcen und Umwelt. Beide Regierungen haben Nationalparkdirektionen eingerichtet, um die Hauptaufgabe der Erhaltung des Ortes und der Küste zu erfüllen.

Quellen

Financed by the European Regional Development Fund