Der Struve-Bogen: Ein Schritt in der globalen Entwicklung der Kartierung

Vor über 200 Jahren hat eine Studie, an der zehn Länder beteiligt waren, dazu beigetragen, die genaue Größe und Form unseres Planeten zu bestimmen. Sie war ein wichtiger Schritt in der globalen Entwicklung der Geowissenschaften und der topografischen Kartierung. Es war eine der bedeutendsten wissenschaftlichen und technischen Leistungen des 19. Jh.

Teil des UNESCO-Welterbes

Der Struve-Bogen ist ein herausragendes Beispiel für wissenschaftliche Entwicklung, die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern sowie die Zusammenarbeit der Regierung zum Wohle der Wissenschaft. Er erstreckt sich über 2820 km von Hammerfest (Norwegen) bis zum Schwarzen Meer und durchläuft 10 Länder. Diese Studie hat dazu beigetragen, die genaue Größe und Form unseres Planeten zu bestimmen und war ein wichtiger Schritt in der globalen Entwicklung der Geowissenschaften und der topografischen Kartierung. Die Kette wurde 1816–1855 von einer Reihe von Wissenschaftlern vermessen. Sie wurden vom Astronomen Friedrich Georg Wilhelm Struve geleitet, der auch die Methode entworfen hatte. Die resultierenden Meridianbogen-Messergebnisse wurden während des gesamten Jahrhunderts zur Berechnung der Ellipsoid-Parameter der Erde verwendet.

Um den Struve-Bogen (engl. Struve Geodetic Arc) zum Teil des Weltkulturerbes werden zu lassen, haben zehn Länder zusammengearbeitet und einen Antrag gestellt. Das Projekt wurde von Finnland koordiniert. Im Juli 2005 wurde der Struve-Bogen auf der Grundlage der Kriterien (ii), (iv) und (vi)* in die Liste des Welterbes aufgenommen.

Bei der Bewertung des Struve-Bogens wurde das Kriterium (vi) angewendet, da die Entstehung des Objekts durch das ununterbrochene Bestreben des Menschen, die Welt zu erkunden und mehr über sie zu erfahren, beflügelt wurde. Anreiz zur Bestimmung der genauen Ellipsoid-Parameter der Erde bot Sir Isaac Newtons Theorie, dass die Erde an den Polen flacher sei als am Äquator.

Drei Punkte befinden sich in Litauen

In jedem Land sind 1 bis 6 Punkte geschützt, wobei nur die bekanntesten Standorte ausgewählt werden. Der Struve-Bogen besteht aus 34 Punkten: in Norwegen – 4, in Schweden – 4, in Finnland – 6, in Russland – 2, in Estland – 3, in Lettland – 2, in Litauen – 3, in Belarus – 5, in Moldawien – 1, in der Ukraine – 4.

Auf dem Gebiet der Republik Litauen wurden drei Punkte des geodätischen Bogens ausgewählt: Meškonys (Bezirk Vilnius, Gemeinde Nemenčinė, Dorf Meškonys), Paliepiukai (Bezirk Vilnius, Gemeinde Nemėžis, Dorf Paliepiukai) und Gireišiai (Bezirk Rokiškis, Gemeinde Panemunėlis, Dorf Gireišiai).

Alle Punkte bleiben an ihren ursprünglichen Stellen erhalten, und Änderungen beschränken sich auf ihre Markierung in unterschiedlicher Form: kleine Löcher auf der Felsoberfläche, kreuzförmige Einkerbungen auf der Felsoberfläche, massiver Stein oder Ziegel mit eingelassenen Markierungen, Felsformationen (Steinpyramiden) mit einem zentralen Stein oder Ziegel.

Die Zusammenarbeit erfolgt auf zwischenstaatlicher Ebene

Seit 1994 arbeiten die Staaten, durch die der Struve-Bogen verläuft, zusammen, um die Orte dieser historischen Messungen zu finden, zu untersuchen und für die Ewigkeit festzuhalten. Auf internationaler Ebene liegt die Steuerung in der Verantwortung des Koordinierungsausschusses, der alle zwei Jahre zusammentritt und im Rahmen der vereinbarten Steuermaßnahmen aller zehn Länder arbeitet. In Litauen ist das Landwirtschaftsministerium der Republik Litauen für den Schutz des Struve-Bogens zuständig.

Den Schutz des Struve-Bogens garantieren nicht nur internationale Dokumente. Jedes Land hat gemäß seines nationalen Systems Rechtsschutz gewährt – einige Punkte fallen unter Rechtsvorschriften zum Schutz geodätischer Punkte und zum Schutz des kulturellen Erbes. Die drei in Litauen gelegenen Punkte sind durch das Gesetz zum Schutz des unbeweglichen Kulturerbes geschützt und im Register für Kulturgüter eingetragen.

* Kriterium (ii): „Diese erste genaue Messung des langen Meridiansegments, mit deren Hilfe die exakte Größe und Form der Welt bestimmt werden konnte, markiert einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung der Geowissenschaften. Er ist auch ein hervorragendes Beispiel für den Austausch menschlicher Werte zwischen Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern. Er spiegelt auch die Zusammenarbeit von Herrschern mit ungleicher Macht im Interesse der Wissenschaft wider.“

Kriterium (iv): „Der Struve-Bogen ist zweifellos ein außergewöhnliches Beispiel für ein technologisches Ensemble: Die Meridian-Triangulationspunkte, aus denen er besteht, sind ein unbeweglicher und immaterieller Bestandteil der Messtechnik.“

Kriterium (vi): „Die Messung des Bogens und ihre Ergebnisse stehen in direktem Zusammenhang mit dem Interesse der Menschheit an der Welt, ihrer Form und Größe. Der Bogen steht im Zusammenhang mit der Theorie von Sir Isaac Newton, dass die Erde keine regelmäßige Kugel ist.“

Quellen

Financed by the European Regional Development Fund