Archäologische Stätte Kernavė: Heidnisches Litauen und baltische Kultur

Kernavė ist die Hauptstadt des heidnischen Litauens, auch bekannt als das litauische Troja. Die Burghügel am malerischen Ufer der Neris erinnern nicht nur an die Zeiten des Heidentums, sondern auch an die baltische Kultur, die mehr als zehntausend Jahre existierte.

Teil des Welterbes

Die archäologische Stätte von Kernavė (Staatliches Kulturreservat von Kernavė) ist ein einzigartiger Komplex archäologischer und historischer Schätze, die die Vorgeschichte Litauens und die Frühzeit der Bildung des litauischen Staates darstellen.

Die archäologische Stätte von Kernavė ist ein vielschichtiger Komplex prähistorischer Schätze, ein Erbe natürlicher Prozesse mit einem Relief, das während der letzten Eiszeit entstanden ist, und ein Zeugnis der Zivilisation und Kultur der Siedlungen im Baltikum.

Im Juli 2004 wurde die archäologische Stätte von Kernavė (engl. Kernavė Archaeological Site (Cultural Reserve of Kernavė)) basierend auf den Kriterien (iii) und (iv)* in die Liste des Welterbes der UNESCO aufgenommen.

Ein Zeuge der litauischen Vorgeschichte und der Staatsbildung

Die archäologische Stätte von Kernavė erinnert an die Zivilisation und Kultur der Siedlungen des Baltikums, die mehr als 10.000 Jahre existierte. Dank archäologischer Untersuchungen, die seit 1979 durchgeführt werden, ist bekannt, dass sich im 8.–9. Jahrtausend v. Chr. die ersten Siedler in dieser Gegend niederließen.

Kernavė wurde 1279 erstmals in historischen schriftlichen Quellen erwähnt. In der Livländischen Reimchronik und der Chronik von Hermann von Wartberge wird ein gescheiterter Feldzug des Schwertbrüderordens nach Litauen, in das Land des Herzogs Traidenis in Kernavė, beschrieben. Die erhaltenen unbeschädigten Kulturschichten der prähistorischen Siedlungen und die Grabdenkmäler umfassen Epochen vom frühen Epipaläolithikum bis zum frühen Mittelalter, das für Kernavė die wichtigste Zeit des Wohlstands war.

Im 13. Jh. wird Kernavė eine feudale Stadt der Handwerker und Kaufleute, ein allgemeines politisches und wirtschaftliches Zentrum Litauens. Am Ende des 13. Jh./ zu Beginn des 14. Jh. entstand im Zusammenspiel heidnischer und christlicher Kulturen eine eigentümliche mittelalterliche Stadt, die als erste Residenz des litauischen Herrschers diente.

Eine riesige Ausstellung unter freiem Himmel

Es ist eine der größten archäologischen Freilichtausstellungen (194,4 ha), die aus komplexen archäologischen und historischen Objekten besteht: 15 archäologische und 3 historische Denkmäler, darunter alte Siedlungen von Kernavė, die Begräbnisstätte von Kernavė, ein Komplex mit 5 Burghügeln und Stätten der alten Stadt Kernavė.

Seit diese Standorte Ende des 14. Jh. aufgegeben wurden, waren sie nicht oder nur oberflächlich von menschlicher Aktivität betroffen, und die Landschaft blieb von der gegenwärtigen Entwicklung fast unberührt.

Das Gebiet befasst sich auch mit der Erhaltung des immateriellen Erbes. Im Reservat werden jedes Jahr die Tage der lebendigen Archäologie veranstaltet.

Strengster Schutzstatus

Die archäologische Stätte von Kernavė wurde auf Beschluss des Seimas der Republik Litauen als Schutzgebiet mit dem strengsten Schutzstatus gegründet. Die Direktion des staatlichen Kulturreservats Kernavė ist verantwortlich für die Verwaltung, den Schutz und die Pflege des Gebiets. Diese Einrichtung betreibt auch Forschung, kümmert sich um die Anpassung des Standorts für Besucher sowie die Gewährleistung des ökologischen Gleichgewichts.

*Kriterium (iii): „Die archäologische Stätte von Kernavė ist ein außergewöhnliches Zeugnis für die Entwicklung der Siedlungen im Baltikum über einen Zeitraum von etwa 10.000 Jahren. Die Stätte liefert Beweise für das Zusammentreffen außergewöhnlicher heidnischer und christlicher Bestattungstraditionen.“

Kriterium (iv): „Die Struktur der Siedlungen und die beeindruckenden Burghügel sind besonders wichtige Beispiele für die Entwicklung solcher Objekte und ihre Nutzung in vorchristlicher Zeit.“

Quellen

Financed by the European Regional Development Fund