Verzieren von Ostereiern: magische Bedeutung und volkstümliche Tradition

Kunsthandwerk

Im Frühling, wenn die Natur nach dem Winter wieder erwacht, symbolisiert das Färben und Rollern der Ostereier die Wiedergeburt der Natur.

Populärer Brauch in vielen Kulturen

Das Färben der Ostereier ist ein bekannter Teil der Frühlingsriten bei vielen alten Völkern. Diesen Brauch gab es im alten Ägypten, bei den Slawen und in der Kultur anderer Völker.

Die Ornamente der Ostereier hatten magische und symbolische Bedeutung. Dabei ist eine Symbolik die des Ursprungs des Lebens. Deswegen ist die Symbolik des Eis, wenn im Frühling die Natur nach einem kalten Winter wiedergeboren wird, noch viel bedeutender. Das Färben und das Rollern der Eier symbolisiert die Wiedergeburt der Natur.

Seit der Christianisierung fällt das Färben der Eier auf das christlich interpretierte Ostern, das auf Ostern folgende Wochenende und auf den Georgstag.

Familientradition für die Litauer

Noch zum Ende des 19. Jh. opferten die litauischen Bauern in der ersten gepflügten Furche ein Ei für die Erdgöttin Žemyna, und zum Georgstag, wenn das Vieh ausgetrieben wurde, wurden je zwei gefärbte und zwei ungefärbte Eier unter die Schwelle des Stalls gelegt. In der Hoffnung auf bessere Ernte, wurde das Saatgetreide mit der Eierschale der Ostereier vermengt.

Nach der Christianisierung blieb das Färben der Ostereier eine schöne Familientradition der Litauer. Am Morgen des Ostersonnabends färbte die ganze Familie Ostereier. Am Ostersonntag bereiteten alle zusammen den Festtisch vor, rollerten die Ostereier und verschenken sie an Gäste, Verwandte, besonders an Kinder.

Später mussten diese Traditionen für einige Jahre versteckt werden. Während der Sowjetzeit war das Feiern kirchlicher Feste verboten, darunter auch Ostern. Die Familien versammelten sich trotzdem und pflegten die Traditionen weiterhin.

Arten der Verzierung der Ostereier und Ornamente

Die vorherrschenden Ornamente der Ostereier haben Bedeutungen. Die Sonne ist der Geist der Welt, welche diese aufwärmt und belebt. Der Mond ist der Herrscher der Nacht, zuständig für die saisonalen landwirtschaftlichen Arbeiten und die Aufsicht über die Vegetation. Die Sterne sind das Nachtlicht für das Getreide. Pflanzen und Blüten stehen für Vegetation, Wachstum und Blühen. Ähren stehen für die künftige Ernte. Zweige von Weinraute und Fichte symbolisieren den grünen Sommer. Schmetterlinge, junge Hasen und Störche sind Symbole des Frühlings.

Das traditionelle Muster wurde mit Strichen, Keilen, Bögen und Schraffuren ausgeführt. Diese wurden miteinander kombiniert und so einfache oder komplizierte künstlerische Kompositionen geschaffen. Für die traditionelle Komposition der Symbole und Ornamente gibt es 3 Schemata: symmetrisch über beide Seiten durch Längsaufteilung; beide Enden des Eis mit Queraufteilung; spiralförmig um das Ei herum.

Bis zum Beginn des 20. Jh. wurden pflanzliche Farben verwendet

Die alten Techniken zum Färben der Ostereier hängen eng mit der Kenntnis und Nutzung der natürlichen Farbstoffe zusammen. Bis zum Beginn des 20. Jh. kamen hauptsächliche pflanzliche Farben zur Verwendung: Zwiebelschalen, Birkenblätter, Heureste, Rinde von Eiche und anderen Bäumen, die verschiedene erdige Farben lieferten.

Später kamen knallbunte Anilinfarben zur Verwendung: rot, blau, schwarz, grün. Die Farbe, in der ein Ei gefärbt wurde hatte im Volksglauben eine magische Bedeutung. Schwarz symbolisierte Mutter Erde, die Gebärerin der Pflanzen, die Göttin Žemyna. Grün steht für die Pflanzen im Frühling, die aufgegangen Getreidesaat. Gelb und braun für das reife Getreide. Blau symbolisierte den Himmel, der den Segen für die Pflanzen und die Saat bringt.

Die alten Traditionen sollen erhalten bleiben

Nach der Art der Zeichnung unterteilt man die Ostereier in gefärbte, bemalte und geschabte. Einfarbige gelten meistens als gefärbte. Die Technik des Schabens verwendet eine Nadel oder ein Messer o.ä. um in die gefärbte Oberfläche ein Muster zu ritzen oder zu schaben. Das Bemalen erfolgt mit heißem Wachs mit einem Stöckchen oder einem Zahnstocher. Die Technik mit Wachs wurde meist von Frauen, das Schaben oder Ritzen mehr von Männern genutzt.

Eine häufige Färbetechnik ist Batik. Man nimmt Zwiebelschalen oder Blätter von Walderdbeeren oder anderen Pflanzen. Die damit belegten Eier werden in einen Lappen gewickelt und in der Farbe gekocht.

Derzeit gibt es in Litauen 26 zertifizierte Handwerkerinnen, die Ostereier ritzen, mit Wachs bemalen oder mit pflanzlichen Farben färben.

Financed by the European Regional Development Fund