Tischlerhandwerk: vom Nudelholz bis zur Tür

Holzhandwerk

Der Beruf des Tischlers sollte mit den eng verwandten Berufen des Möbeltischlers und des Zimmermanns nicht durcheinandergebracht werden. Tischler werden seit vielen Jahren als eigener Beruf geführt. Anders als Zimmerleute beschäftigen sich Tischler mehr mit der Innenausstattung.

Die ältesten gefundenen Tischlerarbeiten

Das Verarbeiten von Holz zählt zu den ältesten Handwerken schlechthin. Urmenschen nutzen Holz nicht nur zum Bau von Behausungen, sondern auch für Waffen und Werkzeuge. Man meint, dass die ältesten Holzwerkzeuge den europäischen Neandertalern zuzuordnen sind. Archäologen fanden bei Ausgrabungen in der Nähe von Schöningen in Deutschland Holzspeere, ein Wurfholz und eine Stoßlanze aus der Altsteinzeit, deren Alter auf 300.000 Jahre datiert wird.

Beginn des Tischlerhandwerks in Litauen

Das 14. Jh. gilt als Beginn des Tischlerhandwerks in Litauen. Tischler und deren Erzeugnisse werden in unserer Region schon von frühester Zeit her in den Quellen erwähnt, die erste schriftliche Quelle, die von organisiertem Tischlerhandwerk spricht, stammt erst aus dem 16. Jh. als in Litauen die Handwerker in den Städten sich zu Zünften zusammenschlossen. 1562 wurde eine gemeinsame Zunft der Sattler, Schirrmacher, Posamentenmacher und Tischler gegründet. 1578 spalteten sich die Tischler davon ab und gründeten im Folgejahr eine eigene Zunft.

Das Statut der Vilniusser Tischler, das von August III. genehmigt worden war, schützte die Zunft vor Konkurrenz, denn es wurde den Meistern anderer Zünfte verboten Tischlerwaren herzustellen und auf dem Markt zu verkaufen. Mitte des 19. Jh. arbeiteten in Vilnius etwa 30 Tischlermeister mit 50 Gesellen und 90 Lehrlingen. Die Lehrlinge wurden zumeist vom Meister ausgehalten und lernten vier bis neun Jahre. Viele der Meister waren Fremde, meistens aus Preußen oder Polen.

Werkzeuge stellte man selbst her

Tischler stellten Erzeugnisse verschiedener Komplexität aus Holz her. Angefangen von kleinem Küchenzubehör, wie zum Beispiel Nudelhölzern, über kleiner Einrichtungsgegenstände bis hin zu Türen und Fenstern, Trennwänden, Treppengeländern, Fensterbrettern und Fensterläden. Sie verlegten Fußbodendielen, Parkett und verglasten Fenster. Oft schmückten sie Gebäude mit Ornamenten an verschiedenen Stellen, um den Übergang von einem Material zum anderen abzuschwächen. Besonders geschmückt waren die Giebel mit Windbrettern und den traditionellen über den Dachfirst hinausragenden über Kreuz angeordneten Pferdeköpfe, die Verblendung der Fensterrahmen.

Die Tischler hatten die meiste Arbeit im Winter. Die Handwerker fertigten sich ihre Werkzeuge selbst an, wobei die Metallteile vom Dorfschmied hergestellt wurden. Werkzeuge gab es zum Sägen, Entrinden, Bohren, Behauen, Aushöhlen, Hobeln und Drechseln. Hobel gehören zu den älteren Erfindungen der Menschheit. Die ersten Hobel, die man in Pompeji fand, datieren aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, wobei die Verbreitung in Europa erst im 14., 15. Jahrhundert einsetzte und in Litauen gar erst ab dem 18.-19. Jahrhundert.

Die Arbeit der Tischler ist sehr vielfältig. Zunächst muss ein Tischler in der Lage sein, Zeichnungen zu lesen. Er muss die verschiedenen Holzarten kennen und deren Eigenschaften, wissen, wie man Holz trocknet und lagert und wie die Vielzahl der Werkzeuge zu benutzen ist. Ein Tischler muss wissen, wie man sägt, hobelt, klebt, lackiert und streicht.

Das Tischlerhandwerk heute

Seit Ende des 20. Jahrhunderts arbeiten Tischler vorrangig in holzverarbeitenden Unternehmen, in speziellen Tischlerwerkstätten, in Bauunternehmen oder Reparaturbrigaden. Auch heutzutage sind Tischler notwendig und gefragt. In Litauen gibt es derzeit 16 zertifizierte Tischler.

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