Strickhandwerk: Nutzen, Erholung und Traditionsbewahrung

Handwerk der Textilverarbeitung

Dem Strickhandwerk gibt man ein Alter von über 3000 Jahren. Stricken ist die Herstellung von Stoff durch verknüpfen eines oder mehrerer Fäden, indem man die Schleifen eine durch die andere zieht.

Bekannt seit alten Zeiten

Die ältesten Strickereien wurden im alten Ägypten gefunden, später verbreiteten sie sich schnell über die ganze Welt. Auch an der Ostsee waren Stricksachen lange bekannt, wie man aus archäologischen Funden von Fragmenten ersieht. Man strickte bei den baltischen Stämmen mit Nadeln aus Knochen, Holz oder Metall. Entsprechende Funde stammen nicht nur aus Grablagen der Litauer, sondern auch der Letten, Altpreußen und Schalauer.

Besonders früh wurden Bänder gestrickt, mit denen man die Beine umwickelte. Später Strümpfe und Handschuhe, Muffe, Mützen, Teile von anderer Kleidung, Pullover, Westen. Verwendet wurde Wolle, die entweder naturbelassen oder mit pflanzlichen Farben gefärbt war, Fäden aus Flachs und Baumwolle. Die Strickfäden, Farben und Strickmuster hingen von dem Bestimmungszweck der Strickware ab. Für den Sommer strickte man Flachs oder Baumwolle, für den Herbst aus Wolle. Für den täglichen Gebrauch nutzte man einfarbige Kleidung mit geringen Verzierungen, während die Ausgehkleidung aufwändigere Muster hatte, oft zweifarbig. Die Farben waren meist mattere Pastellfarben.

Die korrekte Wahl der Mittel ist wichtig

Pullover und andere Kleidungsstücke begann man in Litauen erst im 20. Jh. zu stricken, als städtische Moden sich ausbreiteten. Bisher waren solche Kleidungsstücke aus Filz oder Tuch angefertigt wurden. Ein besonders populäres Strickerzeugnis, das in Litauen lange von Männern und Frauen getragen wurde, waren Muffe. Dieses Kleidungsstück wurde als sehr praktisch angesehen, da die Ärmel der litauischen traditionellen Damen-und Herrenkleidung sehr weit waren und Kälte und Wind leicht zum Körper eindringen konnten. Heutzutage gelten Muffe als Bestandteil von Trachten.

Stricken ist eine Kunst. Jedes Strickerzeugnis in Handarbeit wird anders, wobei die Arbeit des Kunsthandwerkers in der Wahl der Strickwolle, deren Farben und der Nadeln liegt.

Es gibt verschiedene Stricknadeln. Mit kurzen Nadeln strickt man Handschuhe oder Strümpfe, mit langen Schals und Pullover. Hergestellt werden Nadeln aus Stahl, Aluminium, Kunststoff oder Holz. Die Nadeln dürfen nicht zu stumpf sein und sie müssen deutlich dicker als der Faden sein. Wenn diese nicht passend gewählt wurde, wird das Ergebnis nicht schön, entweder viel zu fest oder ausgesprochen locker. Am wichtigsten ist indessen, dass die Nadeln sich bequem benutzen lassen.

Handarbeit wird wieder geschätzt

Nachdem in Litauen Strickmaschinen aufkamen, erlitt das Stricken in Handarbeit einen Rückschlag. Doch heutzutage wird Handarbeit wieder sehr geschätzt. Außerdem ist das Erlernen handwerklicher Fähigkeiten heutzutage für viele ein Art Hobby, sodass auch das Stricken in Litauen wieder populärer geworden ist. Stricken gilt gar als ein Art Meditation und Erholung.

Stricken ist nicht nur eine hervorragende Art, der täglichen Anspannung zu entkommen, sondern auch ein Weg, die Traditionen der Ahnen fortzusetzen und seine Kultur zu pflegen. Eine von der Zeit geprüfte Weise zur Bewahrung litauischer Traditionen. In Litauen gibt es derzeit fast 80 zertifizierte Strickerinnen. Das Ziel der meisten derzeit angebotenen Kurse zum Thema liegt in der Bewahrung und Pflege der Stricktraditionen als nationales Erbe.

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