Mützenmacher – Nähen und Filzen gegen Kälte und Hitze

Handwerk der Textilverarbeitung

Die Ritter schufen die Tradition, vor einer Dame die Mütze abzunehmen, um so die Erklärung des Kavaliers „Ihr untertänigster Diener“ auszudrücken. Mützen und deren Herstellung reichen bis in die Antike zurück.

Mützen – Symbol der Autorität

Jetzt ist es nicht mehr möglich, genau herauszufinden, wann der Mensch sich erstmals aus Tierfell eine Mütze gemacht hat, die Historiker stimmen jedoch zu, dass die Kopfbedeckungen das erste Zubehör der Bekleidung des Urmenschen war. Früh erkannten unsere unbekleideten Vorfahren, dass der Kopf vor Kälte und brennender Sonne geschützt werden muss.

Skulpturen aus Ägypten, Zeichnungen aus dem alten China oder Münzen aus dem antiken Griechenland oder Rom zeigen, dass Mützen oder Kopfschmuck zu jener Zeit ein Attribut der Macht waren.

Das mittelalterliche Verständnis von der Ästhetik von Mützen erscheint uns heute komisch, man dachte, dass je höher oder edler ein Mensch ist, desto höher muss auch seine Mütze sein. Diese zeigte den Rang, Beruf oder die Position in der Kirche, beim Militär, in der Verwaltung, unter Kaufleuten oder Studenten. Es entstanden Uniformmützen mit Schirm, wie Käppis zum Beispiel. Zum Ende des 19. Jh. waren runde Mützen mit einem glänzenden Schirm in Mode. Später kamen dann wieder gestrickte Mützen und das Barett auf.

Ohne Mütze zeigte man sich nicht in der Öffentlichkeit

Die älteste Kopfbedeckung in Litauen wurde genäht, aus Leder oder aus Stoff, der zu dem Zeitpunkt aus einheimischen Fasern wie Hanf, Flachs oder Wolle gewebt wurde. Fellmützen, die mit Metall geschmückt waren, findet man in Gräbern von Männern aus dem 9., 10. Jh. Der Adel und andere Reiche ließen sich Mützen aus Zobelfell anfertigen, weniger Wohlhabendere aus Biber, Iltis, Luchs oder Hasenfell.

Der Hochadel trug ab dem 15. Jh. Baretts, Kalpaks, Filzmützen, darunter auch sehr prunkvolle, aus teuren Materialien und Fellen angefertigte. Im Winter trug man Mützen, die aus reiner oder gemischter Wolle gefertigt waren und mit Fell von Hase oder Fuchs verbrämt waren und über Ohrenklappen verfügten. Oder Filzhüte, die aus der von den Bauern bereitgestellten Wolle von fahrenden Hutmachern gefertigt wurden. Im Sommer, besonders, wenn man in der Sonne auf dem Feld arbeiten musste, bevorzugte man Strohhüte, die von den Bauern selbst geflochten wurden.

Die Bräuche auf dem Land in Litauen verlangten, dass eine verheiratete Frau immer eine Kopfbedeckung trug. Feiertagsmützen wurden mitunter unter dem Kopftuch getragen, sodass man von diesen nur einige schmückende Details sehen konnte. Im 19. Jahrhundert kamen Mützen auf, die aus zu Hause oder industriell gewebten Stoffen angefertigt worden waren und mit Häkelarbeiten, Stickereien, bunten Troddeln und Bändern geschmückt waren. Gestrickte Mützen wurden von Frauen, Männern und Kindern getragen.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden netzartige Mützen aus Wolle oder solche, die aus Seide, Wolle oder Baumwolle genäht wurden, getragen. Bis zum Ersten Weltkrieg waren diese ein wichtiger Teil der Bekleidung, ohne Mütze pflegte man sich nicht in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Filzmützen gegen Hitze und Kälte

Filzmützen werden aus dem natürlicher Wolle hergestellt, denn nur diese hat die Eigenschaft zu verfilzen.

Die litauischen Filzmützen wurden häufig auch in der Sauna benutzt. Wolle ist eine natürliche Faser, welche die Körpertemperatur regelt. Damit hilft die Filzmütze nicht nur, um im Winter vor Kälte und Feuchtigkeit zu schützen, sondern auch, um den Kopf in der Dampfsauna vor Hitze und Feuchtigkeit zu bewahren.

In den 20er Jahren des 20. Jh. trugen schon fast alle gekaufte Mützen. Eine gewisse Nachfrage besteht aber immer noch nach in Handarbeit gefertigten Mützen. Solche kann man auf Märkte oder Handwerkermessen kaufen, es gibt Kurse dazu. Jetzt gibt es in Litauen 7 zertifizierte Mützenmacher.

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