Möbeltischler: zu jeder Zeit gebraucht

Holzhandwerk

Die Möbeltischlerei gehört zu den Kunsthandwerken. Die Möbeltischlerei entstand auch in Litauen aus der Entwicklung des Tischlerhandwerks, deren Tradition in die graue Vorzeit reicht.

Nach Geschmack, Möglichkeiten und Traditionen

Die Form der Möbel und deren plastische Gestaltung hing immer vom Entwicklungsstand der Gesellschaft, von den Bedürfnissen, Möglichkeiten, Geschmack, geographischer Lage, nationalen Traditionen, Erfindungen in Technik und Wissenschaft und der vorherrschenden Mode ab.

Möbeltischler arbeiteten entweder zu Hause oder als wandernde Handwerker. Unter den Bauern war es üblich, Handwerksmeister einzuladen, um die Aussteuer der Töchter mit anzufertigen. Wenn sie ankamen, fanden sie normalerweise schon das vorbereitete Holz vor. Der traditionelle Bestand an Möbeln auf dem Land umfasste Bänke, Tischen, Bett, Wiege, Regal, Schrank, Stühle, Handtuchhalter, Truhen, Besteckfächer, Kommoden.

Einige Möbel zeichneten sich durch besondere Verzierung aus. Sie wurden bemalt, mit gedrechselten Elementen versehen, mit Schnitzereien oder Gravuren verziert. Die Ausschmückung machten die Handwerksmeister selber. Neben Färben und Bemalen gehörten auch meist Beschläge dazu. Holzoberflächen wurden gestrichen, lackiert oder mit Furnier aus Hartholz oder gar Edelholz beschichtet. Die Verzierung wurde auf Material und Form des Möbelstücks abgestimmt. Dabei dominierten geometrische Muster und besonders stilisierte Pflanzenmotive. Truhen, Geschirr- und Kleiderschränke wurden sehr oft bemalt. Handtuchhalter und Uhrschränke wurden mit Schnitzereien und Gravuren versehen. Kleiderschränke, Geschirrschränke und Betten wurden auch oft mit verschiedenen Techniken geschmückt.

Vom Einfachsten bis zum Kunstwerk

Der Beginn der Möbeltischlerei reicht bis in die Stammeszeit zurück. Möbeltischlerei hatte eine Blütezeit im alten Ägypten. Die Ägypter benutzten bereits Bohrer und Hobel, sie konnten Bauteile verfugen, verschiedene Holzarten verarbeiten und die hergestellten Erzeugnisse mit Inkrustation verzieren. In der griechischen und römischen Antike gab es bereits Drechselbänke. Meisterhafte Möbel wurden im alten Byzanz gefertigt.

Mit dem Zerfall des Römischen Reichs gingen Technologien des Möbelbaus in Vergessenheit. Auf primitive Art wurden nur Axt und Säge für einfachste Möbel im frühen Mittelalter verwendet. Die Möbelherstellung erlebte erst ab dem 9. Jh. wieder einen Aufschwung, als man wieder Drechselbänke konstruierte. Im Spätmittelalter fanden diese breite Anwendung. Im 14. Jh. entstanden Sägewerke in Deutschland. Ab dem 16. Jh. wurde Furnier auf mechanische Weise geschnitten. Ab dem 19. Jh. wurde die Mehrzahl der Möbel von der Möbelindustrie hergestellt.

Offizieller Beginn der Möbelindustrie in Litauen

Die in Litauen genutzten Möbel werden seit dem 16. Jh. in Inventarverzeichnissen und in Gerichtsverfahren beschrieben. Bis zum 17.-18. Jh. stellten die Bauern sich ihre einfachen Möbel selbst her. Andere, schmuckvollere Möbelstück, oft Aussteuertruhen, wurden von Handwerkern gefertigt, in den Regionen Suvalkija und Žemaitija bereits ab dem 18. Jh., sonst ab dem 19. Jh.

Als offizieller Beginn des Wirtschaftszweigs Möbeltischlerei in Litauen gilt das Jahr 1579, als die Handwerker in Vilnius das Privileg zur Gründung der Tischlerzunft von König Stephan Batory erhielten. Darin war angegeben, dass die Zunftmitglieder das Recht haben, verschiedene Tische und Schränke, Stühle sowie Fensterrahmen herzustellen und auf dem Markt in Vilnius zu verkaufen. Die Handwerker der Zunft befriedigten die Bedürfnisse der Stadtbürger, während die Bewohner der umliegenden Provinzen ihre Möbel selbst anfertigten oder von lokalen Handwerkern bauen ließen.

Vor dem Ersten Weltkrieg und danach befand sich die Möbelindustrie in Vilnius, Klaipėda, Kaunas und Jonava. Möbel wurden zu der Zeit nur aus Naturholz hergestellt, mit Gravuren oder Inkrustationen versehen, oft nach individuellen Bestellungen.

Die Möbelbranche heute

Aus früheren Zeiten erhalten sind Möbel aus der Renaissance, Barock, Rokoko, Klassizismus und aus späteren Stilrichtungen, die entweder für Kirchen oder Gutshöfe bestimmt waren. Ein Teil davon wurde aus Polen, Tschechien oder Deutschland importiert, andere stammen aus heimischen Zünften oder von einzelnen Handwerkern.

Möbel werden zumeist aus Holz (Eiche, Kiefer, Fichte, Birke) angefertigt. Manche werden auch aus Weidenruten geflochten, aus Stein gemeißelt, aus Metall gegossen oder aus Kunststoff hergestellt. Deren Teile werden zusammengefügt, geklebt, mit Keilen, Holzschrauben oder Schlossschrauben zusammengesetzt. Manche Erzeugnisse erhalten zusätzlich Beschläge. Für Polstermöbel kommen Federn, Haare, Watte, Seegras, Schaumstoff, Gummi zur Verwendung und mit Leder oder Stoffen bezogen.

Nach der Konstruktion unterscheidet man Möbel in Rahmenbauweise und Massivbauweise; Tische sind eine gesonderte Zwischengruppe. Nach der Mobilität unterscheidet man stationäre (aus Stein gehauen, in die Wand eingelassen) und mobile Möbel, nach dem Verwendungszweck – Sitzmöbel (Stühle, Bänke, Sessel), Liegemöbel (Betten, Liegen), Essmöbel (Tische, Tischchen), nach der Herstellung – Einzelstücke oder Serienproduktion. Moderne Möbel werden nach dem Einsatzzweck auch in Wohnmöbel (Wohnungen, Hotels, Ferienhäuser) und Spezialmöbel (Büros, Schulen, Krankenhäuser usw.) unterteilt.

Derzeit gibt es in Litauen 15 zertifizierte Möbeltischler, die verschiedene Möbel anfertigen, von Truhen über Handtuchhalter bis hin zu Schränken, Betten und Tischen.

Financed by the European Regional Development Fund