Lederhandwerk: vom Schuhwerk bis zum Bucheinband

Lederhandwerk

Lederhandwerker gab es in Litauen früher auf jedem Gut, in jedem Dorf und in den Städten. Sie stellten Kleidungsteile und Schuhwerk her, Zaumzeug und Sättel, Bucheinbände, Schmuck, Möbel und Souvenirs.

Das Handwerk reicht bis in die Urzeit der Menschheit

Die Verarbeitung von Leder zählt zu den ältesten Handwerken in der Welt und reicht bis in die Urzeit der Menschheit zurück. Die Bewohner der alten Zivilisationen fertigten fast alles aus Tierhäuten an.

Historische Quellen aus dem 8.-7. Jh. v. Chr. zeigen, dass es schon in den antiken griechischen und römischen Zivilisationen Vereinigungen der Gerber gab. Erzeugnisse aus Leder waren besonders in der Ausrüstung der Krieger verbreitet. Im alten Ägypten wurden im 2. Jahrtausend vor Christus Kleidungsstücke, Teile davon, Decken, Boote und Wasserflaschen aus Leder hergestellt. In Indien stellte man im 1. Jahrtausend vor Christus Bucheinbände aus Leder her.

Im frühen Mittelalter verbreiteten sich Ledererzeugnisse bei den germanischen Stämmen, im Osten, in Nordasien in Amerika und Spanien. Ab dem 10. Jh. entstanden in Westeuropa Zünfte der Gerber.

In Litauen bereits in den ersten Jahrhunderten nach Christus

Archäologischen Ausgrabungen zufolge verwendeten die Bewohner Litauens gegerbtes Leder schon in den ersten Jahrhunderten nach Christus. Um die Beine vor Kälte und Nässe zu schützen, umwickelten unsere Ahnen diese mit Fellstücken.

Mit der Vervollkommnung der Lederbearbeitung entstanden schmuckvollere Erzeugnisse. In der unteren Burg in Vilnius und auf dem Territorium des alten Arsenals wurden Reste von Schuhwerk und ledernem Zaumzeug aus dem 12., 13. Jh. gefunden. Einige Erzeugnisse werden in der Livländischen Reimchronik vom Ende des 13. Jh. genannt. Aus der Litauischen Metrik, den Bestimmungen zur Bodenreform im 16. Jh. und anderen Quellen kann man ersehen, dass es Gerber in jedem Gut, jedem Dorf und jeder Stadt gab. Besonders zahlreich waren diese Handwerker in Vilnius, wo sie sich schon zum Ende des 15. Jh. zu einer Zunft zusammengeschlossen hatten, was später auch in den anderen litauischen Städten erfolgte.

Den größten Teil der Ledererzeugnisse stellt Schuhwerk dar. Auf dem Land trug man einfache Bundschuhe. Bei den Städtern war das Schuhwerk komplizierter und mehr den Stilen der Mode unterworfen. Prunkvoll waren besonders die Gürtel der Heerführer und der höheren Kommandeure im 10.-13. Jh. Ab dem 14.-15. Jh. findet man in Leder eingebundene Bücher, die Anfänge hierfür liegen in den Klöstern der Franziskaner und der Bernhardiner.

Komplizierter Prozess

Ziel des Gerbens ist die Verarbeitung und Haltbarmachung der frischen Tierhaut. Für Ledererzeugnisse kommt vor allem Leder der Haustiere (Rind, Schwein, Schaf, Ziege und Pferd) zur Verwendung, aber auch von Wild (Hirsch, Reh, Elch). Zudem kann auch die Haut von Reptilien und Fischen verwendet werden.

Der Prozess der Verarbeitung ist nicht einfach. Die Arbeit ist lang und kompliziert und bedarf spezieller Werkzeuge. Zuerst wird Fett abgeschabt, die Haut getrocknet, in Gerberlohe eingeweicht und wieder getrocknet. Die Innenseite wird aufgeweicht und das Fell abrasiert. Die Oberfläche kann gefärbt oder lackiert werden, eingerieben, versilbert oder vergoldet. Durch Eindrücken, Ritzen, Einbrennen, Ausschneiden entstehen Muster, Leder anderer Art und Farbe, Metalle, Holz und Elfenbein, Edelsteine und Halbedelsteine werden inkrustriert.

Vergessenes Handwerk wird wieder populärer

Aus Leder werden Bekleidung und Schuhwerk hergestellt, Einbände von Büchern, Wandverkleidung. Damit werden Sitze von Fahrzeugen und Möbeln bezogen, Taschen von Jägern und Soldaten, Scheiden und Taschen für Waffen und Feldflaschen. Zum Ende des 19. wurde das Handwerk des Gerbers von der industriellen Verarbeitung verdrängt. Meister des Handwerks sind jedoch der Auffassung, dass es wieder populärer wird. Bibliotheken wünschen das Erneuern von Einbänden, andere möchten besondere Alben. Viele Erzeugnisse werden auf Handwerksmärkten verkauft.

Derzeit gibt es in Litauen 8 zertifizierte Lederhandwerker, die sich zumeist mit der Herstellung von Taschen und Gürteln befassen.

Financed by the European Regional Development Fund