Kerzenherstellung: für Haushalt und Seele

Kunsthandwerk

Eine Kerze ist ein zylindrischer Gegenstand aus Wachs, Paraffin oder anderen fettigen Substanzen mit einem Docht in der Mitte. Kerzen werden zur Beleuchtung verwendet, bei religiösen und anderen Ritualen, zum Erzeugen einer behaglichen Atmosphäre und mit Aromen auch in der Aromatherapie.

Licht, Religion, Ästhetik

Kerzen hatten immer ihren Wert und waren gefragt. Bevor die Elektrizität erfunden war, wurden Kerzen und Petroleumlampen für die Beleuchtung verwendet. Bis zum 20. Jh. wurden Kerzen zumeist in Nordeuropa verwendet, in Südeuropa und in der Mittelmeerregion kamen mehr Petroleumlampen zur Verwendung.

Anhänger des Christentums verwenden Kerzen als Quelle göttlichen Lichts, manchmal wird das Kerzenlicht mit dem Licht von Jesus Christus verglichen. In Kirchen brennen häufig Kerzen.

In der heutigen Welt werden Kerzen zumeist aus ästhetischen Gründen oder wegen des Dufts verwendet, da sie eine behagliche, warme und romantische Atmosphäre schaffen. Oder man brennt Kerzen zu religiösen oder rituellen Zwecken. Mitunter benötigt man Kerzen als Notbeleuchtung, wenn es zu einer Stromsperre kommt. Aromatisierte Kerzen kommen bei der Aromatherapie zur Anwendung.

Gegossen oder geklebt

Der Docht der Kerze hat Einfluss darauf, wie die Kerze brennt. Der brennende Docht schmilzt den Brennstoff der Kerze, worauf dieser durch die Kapillarkraft im Docht aufsteigt und dort verdampft und verbrennt. Nach Berechnungen verbrennt eine Paraffinkerze etwa 0,1 g/min und hat dabei eine Wärmeleistung von 80 W.

Durch die stark entwickelte Imkerei in Litauen gab es genug Bienenwachs, um daraus Kerzen zu fertigen. Ab dem 14. Jh. wurden die Kerzen „im Bogen“ gegossen, wobei das geschmolzene Wachs im Kreis auf die Kerzen gegossen wird. Die Geheimnisse dabei lernte man von Eltern, Nachbarn oder Verwandten, die Bienen hielten. Kerzenproduzenten gab es vergleichsweise wenig. Das war eher ein Hobby als ein Handwerk zum Erwerb.

In Litauen wurden die Kerzen auf altertümliche Weise, manuell gefertigt. Gegossen oder geklebt. Geklebte Kerzen werden gerollt. Gegossene Kerzen werden auf eine der ältesten Arten gefertigt, indem flüssiges Wachs über den aufgehängten Docht gegossen wird. Nach jedem Guss wird die Kerze um eine Schicht dicker. Zum Gießen von Kerzen gab es spezielle Formen. Nach dem Gießen kann man die Kerzen noch mit Gravuren verzieren.

Das Handwerk ist mindestens tausend Jahre alt

Der Brauch, Kerzen zu gießen, der mindestens 1000 Jahre alt ist, blieb in Litauen bis in unserer Tage unverändert erhalten. Diese klassischen Kerzen wurden besonders genutzt bei wichtigen Familienfeiern, beim jährlichen Familientreffen oder bei Taufen. Solche Kerzen schenkte man dem getauften Baby und bei der Hochzeit wurden sie für die Brautleute angezündet. Auch zu Ostern, St. Johannes, Allerheiligen und Weihnachten sind solche Kerzen unabdingbar. Kerzen schmücken den Festtisch aber auch den Alltagstisch und verbreiten den süßlichen Geruch von echtem Wachs.

Diese Kerzen sind als kulturelles Erbe zertifiziert. In der jüngsten Zeit stieg das Interesse wieder an echten Wachskerzen und der Verkauf solcher ist gestiegen. In Litauen gibt es 19 zertifizierte Handwerker, die Kerzen verschiedener Arten herstellen.

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