Steinhauer: vom Mühlstein bis zur Hausbautradition

Stein Handwerk

Steinhauen ist ein altes Handwerk, das zunächst ausschließlich praktische Bedeutung hatte, da Steine ein hervorragendes Baumaterial sind. Dank dieses Handwerks wurden aber auch Denkmäler errichtet, die bis heute stehen.

Nicht nur Baumaterial

Stein ist eines der ältesten und haltbarsten Baumaterialien. Bis zum heutigen Tag sind verschiedene archäologische Objekte aus Stein, oft auch rituelle Steine, erhalten. Tausendjährige Bauwerke wie die Pyramiden, Tempel, Obelisken oder Sphinxen aus dem alten Ägypten haben bis heute ihre Form erhalten und ziehen Tausende Touristen jährlich an.

Selbst aus der Urgesellschaft findet man Grabhügel aus Erde und Stein, die mit mehreren Steinreihen umgeben sind, um der Toten zu gedenken. Sie sind mitunter mit den alten Symbolen der vorchristlichen Religionen verziert, mit Sonne, Mond, Sternen, Hufeisen und Ringelnattern.

Aus ausgewählten, nicht gespaltenen Steinen in natürlicher Form wurden nach dem Vorbild der Kleinarchitektur aus Holz diverse Kapellen, Stabkapellen und Skulpturen gehauen. Aber nur wenige Steinhauer widmeten sich der Kunst, meist wurden solche Objekte aus Holz geschnitzt, Man vermutet, dass das Steinhauen sich auch durch die Verbreitung von Eisen und die Schmiedekunst entwickelte.

Immer mehr Anwendungsbereiche

Steine war von jeher für diverse praktischen Anwendung in Benutzung. Aus Stein fertigte man Werkzeug, pflasterte Wege, „Knüppeldämme“ durch sumpfige Bereiche, Verteidigungsbauten.

Mit der Vervollkommnung der Werkzeuge zum Spalten von Steinen wuchsen die Anwendungsbereiche von Steinen. Man errichtete Häuser aus Stein, Wirtschaftsgebäude, Kirchen, Mauern und Brücken. Mühlsteine zum Schroten und Mahlen wurden aus Stein gehauen. Aus Stein wurden auch Kanonenkugeln behauen.

Ein Teil der Handwerkskunst kam auch aus Russland. Die Altgläubigen, die vor der Zarenherrschaft flohen und sich im 17. Jh. in der Gegend von Zarasai niederließen, widmeten sich, da sie keine Recht auf Landerwerb hatten, vor allem dem Handwerk. Sie bauten Häuser, waren Hufschmiede oder hauten Steine. Die dort wohnenden Litauer lernten von jenen dieses Handwerk.

Handwerk ohne Nachwuchs

Die wesentlichen Arbeiten, die Steinhauer heute erledigen, fallen mit denen der Steinmetze zusammen, Skulpturen und vor allem Grabsteine.

Vor einigen Jahrzehnten wurden die Grabsteine kleiner, deren Kompositionen jedoch komplizierter und anspruchsvoller. Allein wegen der Grabsteine unterscheiden sich die heutigen Friedhöfe erheblich von denen aus der Zwischenkriegszeit, als man die letzte Ruhestätte mit Holzkreuzen kennzeichnete.

Derzeit gibt es in Litauen nur 4 zertifizierte Steinhauer. Nachwuchs gibt es keinen, denn dieses Handwerk ist schwer und erfordert Geduld. Heutzutage gibt es nur noch wenige Handwerker, die die Tradition ihrer Väter fortsetzen und Stein behauen, indem sie Skulpturen zum Schmuck von Höfen und Plätzen in den Städten schaffen.

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