Färben von Wollfäden: um die Welt bunt zu machen

Handwerk der Textilverarbeitung

Wenn man heutzutage in einen Wollladen kommt, so findet man dort eine ungeheuerliche Vielfalt an Fäden, Farben und Farbtönen. Wenn man früher jedoch bunte Kleidung wünschte, so musste man diese selbst färben, mit dem was die Natur lieferte, mit Kräutern, Beeren, Blüten und Blättern. Dieses Handwerk entstand aus dem Wunsch, den grauen Alltag zu verlassen und den Kleiderschrank mit vielen Farben abwechslungsreich zu gestalten.

Gemeinsame Tradition aller Kulturen der Welt

Das Färben von Fäden mit pflanzlichen Farben ist eine Tradition, die allen Kulturen zu eigen ist, und die sehr alt ist. Dabei unterscheiden sich die zur Verfügung stehenden Färberpflanzen, so dass es selbstverständlich ist, dass jede Kultur sich diesbezüglich anders entwickelte. In den südlichen Regionen gibt es bessere klimatische Bedingungen für das Wachstum der Pflanzen und man erhält mehr Farbstoff aus diesen und auch die Farben, die man damit erhält, werden satter. Die in Litauen aus Färberpflanzen möglichen Farben decken hingegen eher das erdige Farbspektrum ab: braun, grün, grau, gelb und schwarz.

Färbeverfahren und Geheimnisse

Wenn auf dem Dorf in Litauen Brot gebacken wurde, solange der Ofen noch warm war, legte man den Boden des Ofens mit Wollfäden aus und legte obendrauf die eingeweichten Pflanzen. Während der Ofen langsam abkühlte wurde die Wolle gefärbt. Manche Pflanzen haben den Farbstoff in Blüten, andere in den Blättern, Wurzeln, der Rinde, Früchten oder in den Samen. Manche färben stärker im Frühling, andere im Sommer oder gar im Winter.

Damit die Fäden sich möglichst gleichmäßig färben, musste man viele Tricks und Kniffe kennen. Die Gleichmäßigkeit hängt zum Beispiel auch davon ab, wie die Fäden getrocknet sind. Wenn man einen dunkleren Farbton haben möchte, muss man die Pflanzen einweichen. Und jedes Material ist unterschiedlich geeignet für einen konkreten Farbstoff.

In den südlichen Ländern war es üblich, fertige Stoffe mit verschiedenen Ornamenten zu färben. Diese Tradition bestand in Litauen nicht, hier färbte man immer nur die Fäden, aus denen man dann gemusterte Erzeugnisse herstellte. Die Fäden selbst waren aus natürlichen Fasern, pflanzlichen aus Flachs und Hanf und tierische aus der Wolle von Schafen und Ziegen.

Man kann es auch selbst ausprobieren

Das Verfahren zum Färben von Fäden ist eigentlich sehr einfach. Man brennt ein Feuer an, hängt darüber zwei Eimer mit Wasser und dem Pflanzenextrakt. Sobald dieses kocht, werden die angefeuchteten Fäden hineingetan und bleiben lange Zeit eingeweicht. Dieses Handwerk, für dass man nicht viele oder komplizierte Technologien benötigt, kann von jedem ausprobiert werden, zu Hause oder auf einem Hof mit der ganzen Familie.

Wenn man Fäden mit natürlichen Farben färbt, erhält man jedes Mal ein etwas anderes Ergebnis, das aber immer wieder überrascht.

Es gibt auch spezielle Kurse zum Thema Färben mit natürlichen Pflanzenfarben, die für die ganze Familie geeignet sind. Dabei wird geholfen, die Färberpflanzen zu sammeln und die Fäden zum Färben vorzubereiten. Derzeit gibt es in Litauen 5 zertifizierte Färber von Fäden.

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