Das Töpferhandwerk: für die Verarbeitung und die Aufbewahrung von Lebensmitteln

Kunsthandwerk Handwerk

Das ist eins der ältesten Handwerke, bei dem man aus plastischem Ton verschiedener Arten Gefäße herstellt, durch Drehen auf der Töpferscheibe, durch manuelles Formen oder Kleben, durch Pressen oder Stempeln.

Die Geschichte reicht bis ins Neolithikum

Töpfe gibt es in den verschiedensten Formen, verziert oder schlicht, mit Relief oder Bemalung, Ornamenten und Figuren, glasiert oder unbehandelt. Bevor die Töpferwaren gebrannt werden, trocken sie, um dann bei einer Temperatur von 900 bis 1450°C gebrannt zu werden, wodurch sie Festigkeit erhalten und in der Form fixiert werden. Für die Glasur ist ein zweites Brennen erforderlich.

Schon im Neolithikum wurden aus Ton mit Beimengungen Gefäße für die Zubereitung und Aufbewahrung von Lebensmitteln angefertigt. Mit dem Töpfern waren sowohl Männer als auch Frauen befasst. Der Beginn der Verwendung der Töpferscheibe datiert auf das 4. Jahrtausend vor Christus, im Nahen Osten, zunächst von Hand gedreht, später mit den Füßen. Im 1. Jahrtausend vor Christus erreicht der Gebrauch der Töpferscheibe Europa. Das Töpferhandwerk hatte enorme Bedeutung im antiken Griechenland und Rom, besondere Vervollkommnung erfuhr es aber im Nahen Osten.

Das Handwerk kam in Litauen schon zusammen mit der Töpferscheibe auf

Auf dem Territorium Litauens findet man durchaus Töpferwaren, die manuell zusammengeklebt wurden. Diese wurden zur Aufbewahrung von Lebensmitteln und deren Zubereitung verwendet, aber auch für Grabbeigaben. Als Handwerk im eigentlichen Sinn entstand das Töpfern erst mit der Verbreitung der Töpferscheibe im 10. Jh. Und ab dem 13. Jh. gab es in größeren Siedlungen Töpferscheiben, die mit den Füßen angetrieben wurden. Die Töpferware wurde in speziellen Töpferöfen gebrannt. Die Töpferwerkstätten befanden sich im 14. und 15. Jh. bei den Burgen und Gütern, während am sich ab dem 16. Jh. in städtische Zünfte zusammenschloss. Ende des 19. bis ins 20. Jh. entstanden in Westlitauen, Suvalkija, Ostlitauen, Mittellitauen und Nordostlitauen regionale Varianten bei der Herstellung von Keramik, die sich in der verwendeten Technik und den Formen äußerten.

Besonders in Niederlitauen war das Töpferhandwerk stark entwickelt. Dessen Zentren entstanden dort, wo man den besten Ton finden konnte. Besonders Kuršėnai mit seinem hochwertigen roten Ton, der zudem leicht erreichbar war, war ein Schwerpunkt des Töpferhandwerks.

In den Gouvernements Kaunas und Suvalkai, zum Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jh., gab es die meisten Töpferwerkstätte einzeln in Dörfern oder in kleinen, mit im Haus eingerichteten Werkstätten. Zu dieser Zeit wurde das Handwerk von klein auf von den älteren Familienmitgliedern erlernt, von den Eltern, Onkel oder von Brüdern. Kinder im Alter von 10 bis 12 konnten den Ton vorbereiten, den Ofen anheizen und die Töpferwaren trocknen, verzieren und brennen, im Alter von 15 bis 17 war man schon weitgehend selbständig tätig. In den Kleinstädten, wo es Werkstätten gab, die das ganze Jahr über tätig waren, konnte man auch bei fremden Meistern in die Lehre gehen. Wenn die Familie des Töpfers nicht reichte, um die Hilfsarbeiten auszuführen, nahm man Lehrlinge von außerhalb an.

Töpfererzeugnisse

In Litauen war besonders Keramik für die Zubereitung von Speisen und die Aufbewahrung von Lebensmitteln verbreitet, sowie Spielzeug.

Geschirr für die Küche und den Esstisch, Terrinen und Mohnmörser. Meistens war das Gebrauchsgeschirr wenig geschmückt, nur mit eingeritzten oder eingedrückten Linien oder Kringeln. Zu den Gefäßen für die Aufbewahrung von Lebensmitteln gehören diverse Schüsseln, Krüge mit oder ohne Henkel. Bei der Verzierung solcher Gefäße gab es schon öfter Glasuren, allerdings mit wenig Ornamenten. Am meisten verziert waren die Töpferwaren, in denen das Essen auf den Tisch kommt und Elemente der Innenausstattung. Krüge, Schüsseln, Tassen, Butterdosen, Salznäpfe. Töpferwaren für die Innenausstattung, Vasen, Blumentöpfe, Kerzenhalter, dienten dazu, dem Heim Gemütlichkeit zu verleihen. Deswegen waren gerade diese Waren am meisten geschmückt und von den ausgeprägtesten Formen. Besonders geometrische Ornamenten und Pflanzenmotive kamen bei der Verzierung zur Anwendung.

Einen wichtigen Platz hatte auch Spielzeug aus Ton inne, das besonders auf dem Land verbreitet war. Aus Ton geformt wurden Pferde, Reiter, Enten, Schafe, Puppen, Hähne, Kiebitze, Ziegen. Pferd und Reiter waren eher Spielzeug für die Jungs und Enten für die Mädchen. Viel Spielzeug aus Ton war so gefertigt, dass es gleichzeitig auch als Pfeife diente. Bei der Verzierung von Pfeifen wurden satte, grelle Farben verwendet. Neben dem Aussehen war aber der klang der Pfeifen oder Flöten von Bedeutung.

Vorbereitung und Herstellungsprozess

Der Töpferofen stand im Freien. Er hatte eine Höhe von etwa 2 m. Die Form war rund mit einer Breit oben von 1,5 m. Die Wände waren aus ungebrannten Ziegeln. Der Boden der Brennkammer des Ofens befand sich oberhalb des Feuerraums. Der Ofen hatte zwei Öffnungen zum Nachlegen auf gegenüberliegenden Seiten. Durch den Boden erreichten die Flammen die Brennkammer bis ganz zur Spitze.

Meistens erfolgte das Brennen nachts, da dann die Farbe der Flammen, die für die Beurteilung des Brennvorgangs wichtig war, leichter zu erkennen war. Nach dem Erlöschen des Feuers, wurde das noch mit Erde zugedeckt und man ließ es langsam auskühlen, damit die Gefäße nicht durch schnelles Abkühlen platzen.

Erzeugnisse, die im Sommer gefertigt wurden, wurden im Schatten zum Trocknen gelagert, im Winter platzierte man diese im Innern des Hauses, auf Regalen in der Nähe des Ofens. Die gebrannten Roherzeugnisse konnten dann noch glasiert werden.

Das Töpferhandwerk heute

Während der Sowjetzeit wurden auch die Töpfer aus den Dörfern in die Genossenschaften einbezogen. Die Gesellschaft der Volkskünstler Litauens bemühte sich um das Wiederbeleben des Töpferhandwerks.

Derzeit gibt es in Litauen 52 zertifizierte Töpfer, die Krüge, Schüsseln, Teller, Tassen und Töpfe usw. herstellen.

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