Das Handwerk des Kreuzschnitzers; einzigartig und von der UNESCO anerkannt

Holzhandwerk

Der Brauch, Kreuze aufzustellen kam aus dem Glauben der Urahnen und deren Respekt gegenüber der geistigen Welt und der Natur. Die Anfertigung von Kreuzen ist das einzige Handwerk in Litauen, das in das immaterielle Kulturerbe der UNESCO einbezogen wurde.

Nationale Identität und Symbol der Einheit

Die Kreuzschnitzerei umfasst einerseits den Prozess der Herstellung des Objekts (meistens Kreuze, Kleinstkapellen, Stabkapellen, Dachstäbe) und andererseits die Gesamtheit der Volkskultur im Zusammenhang damit. Alles beginnt damit, warum das Denkmal errichtet, der Einweihung, den Traditionen bei der Schmückung und Ehrung.

Über viele Jahrhunderte stellten Leute Kreuze bei ihrem Hof auf, um für gute Ernte, Gesundheit und Glück zu beten. Spätestens ab dem 15. Jh. stellten die Litauen solche Kreuze auch auf, um der Verstorbenen zu gedenken und deren Wohlwollen zu erlangen, um den Geistern ihren Respekt zu zollen, um zu danken oder um innere Ruhe zu finden.

Früher ging niemand an einem Kreuz vorbei, ohne seinen Hut zu lüften. Am Kreuz blieb man halten um zu beten, sich auszusprechen, Freude zu teilen. Seine Verehrung brachte man auch mit Gebeten und Liedern dar. An Kreuzen und Kapellen, die man für wundertätig hielt, legte man Opfergaben ab. Selbst während der Sowjetzeit, als das Aufstellen von Kreuzen verboten oder doch eingeschränkt war, bestand die Kreuzschnitzerei fort als ein Zeichen des Widerstands. Diese Denkmäler erwarben immer mehr den Ruf als Symbol der nationalen Identität und Einheit.

Verbund aus Handwerk, Kunst und Religion

Das Kreuzschnitzen ist populär in katholischen Regionen und auch in anderen christlichen Gegenden. Kreuze werden aus verschiedenen Materialien gebaut, meistens aber aus Holz, Metall oder Stein.

Das Kreuzschnitzen in der heutigen Form entstand mit der Christianisierung. Alte vorchristliche Glaubenselemente verbanden sich hier mit einer eigenwillig interpretierten sakralen Kunst. Traditionelle litauische Kreuze sind ein besonders einzigartiges Phänomen. Ein Konglomerat aus Handwerk, Kunst und Glauben, in dem man auch noch bildhauerische Elemente, mitunter Schmiedekunst und Malerei finden kann. Der Sinn des Kreuzes ergibt sich aus dem Inhalt, den Motiven, die zu seiner Erschaffung führten, dem Ort der Aufstellung und der Verzierung.

In Dzukija werden Kreuze meistens mit Kränzen, Blumen, Bändern und Schürzchen geschmückt, in Niederlitauen werden besonders Marienfiguren auf verschiedene Weise mit Ketten geschmückt.

Am häufigsten wurden solche Denkmäler in den schwersten Perioden im Leben eines Volkes aufgestellt, bei Pest, Krieg oder während des Widerstands. Manche dienen auch der Markierung wichtiger historischer oder gesellschaftlicher Ereignisse. Oder sie beziehen sich auf das Leben einer Person oder seiner Familie, Ereignissen in der Gemeinde.

In das Konzept der Kreuzschnitzerei gehören die ganze Geschichte des Denkmals, vom Anfang bis zum Ende, die Idee, der Meister, der schöpferische Prozess, der Ort, wo das Kreuz aufgestellt wird, die Einweihung, Besuch, Umgang, Pflege. In der litauischen Volkskunst sind besonders Holz- oder Eisenkreuze in Sonnenform populär, die dann auch volkstümlich einfach als Sonnen bezeichnet werden.

Im weltweiten Maßstab gewürdigt und lebendig bei heute

Es gibt keine speziellen Schulen für Kreuzschnitzer, das Schnitzen erlernt man von anderen Meistern und die Erfahrung kommt durch selbständiges Arbeiten, durch Vertiefen in die Traditionen, Seminare, Kolloquien.

Das Handwerk, das die Okkupation überstanden hat, als es verboten war und Kreuze zerstört wurden, erlebt gegenwärtig eine Renaissance. Wie nie vorher gedieh der Kreuzberg, eine ursprünglich spontane Kreuzsammlung, die im Laufe des vergangenen Jahrhunderts sogar mehrere Male zerstört worden war. Gewissermaßen als Echo entstanden auch weitere kleine Hügel, wo einzelne Leute oder Gemeinden Kreuze aufstellen.

2001 wurde das Handwerk des Kreuzschnitzers und die Symbolik des Kreuzes von der UNESCO alz einzigartiges Kulturerbe anerkannt, und 2008 wurde es in die Liste des repräsentativen immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. In Litauen gibt es derzeit 41 zertifizierte Kreuzmacher.

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